Channel Fokus: Refurbishing & Remarketing Wiederverwerten statt einlagern

Autor Klaus Länger

Die Wiederaufbereitung gebrauchter Hardware ist nicht nur gut für Umwelt und Kundengeldbeutel, sie löst auch Entsorgungsprobleme von Firmen und Systemhäusern. Mit Miete und Services entwickeln die Refurbisher zudem neue Geschäftskonzepte.

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Die Aufbereitung und Wiedervermarktung gebrauchter Business-Rechner ist nicht nur ein gutes Geschäft, sondern sie schont auch die Umwelt.
Die Aufbereitung und Wiedervermarktung gebrauchter Business-Rechner ist nicht nur ein gutes Geschäft, sondern sie schont auch die Umwelt.
(Bild: Spectral-Design - stock.adobe.com)

In vielen Firmen stapeln sich in den Kellern ausgemusterte Geräte vom Notebook bis zum kompletten Server oder Storage-System. Denn oft wissen die IT-Verantwortlichen oder auch Mitarbeiter kleinerer Systemhäuser nicht, was sie mit der Hardware machen sollen, oder sie haben keine Konzepte dafür, die Daten auf den Geräten sicher zu löschen. Und oft werden noch funktionsfähige Datenträger oder Geräte auch mechanisch zerstört, um mit dem Zerstörungszertifikat die Vernichtung der gespeicherten Daten zu dokumentieren. Damit wird nicht nur jeden Menge Elektronikschrott produziert, vielmehr verschenken die Firmen auch bares Geld.

In vielen Firmen stapeln sich die ausgemusterten Notebooks, weil man sich eine sichere Datenlöschung nicht zutraut. Hier können Refurbisher helfen.
In vielen Firmen stapeln sich die ausgemusterten Notebooks, weil man sich eine sichere Datenlöschung nicht zutraut. Hier können Refurbisher helfen.
(Bild: ThamKC - stock.adobe.com)

Häufige Praxis ist es auch, nicht mehr aktuelle Rechner an Firmenmitglieder abzugeben, ohne die gespeicherten Daten vorher professionell zu löschen. Landen diese PCs oder Notebooks dann auf Auktionsplattformen, ist das datenschutzrechtlich bedenklich.

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Alte Hardware: Gelagert statt wiederverwertet

Laut der Studie „The High Cost of Cluttered Data Centers“, die das Marktforschungsunternehmen Coleman Parkes im Auftrag von Blancco im vergangenen Jahr erstellt hat, geben Firmen weltweit enorme Summen für die Lagerung ausrangierter Hardware aus. Die Umfrage der Marktforscher bei weltweit 600 Firmen mit eigenen Rechenzentren zeigt, dass zehn Prozent der befragten Unternehmen mehr als die Hälfte der alten Hardware lokal lagern, statt sie einer Wiederverwertung nebst Datenlöschung zuzuführen. Immerhin 48 Prozent Prozent bewahren zwischen 31 und 60 Prozent ihrer Alt-Hardware samt der noch gespeicherten Daten lokal auf. Für Client-Hardware gibt es keine entsprechenden Daten, aber nach Erfahrungsberichten dürfte es ähnlich aussehen.

Refurbisher als Entsorgungspartner für Systemhäuser

Die großen IT-Systemhäuser und auch IT-Leasingfirmen haben dagegen schon lange erkannt, dass für sie die Zusammenarbeit mit IT-Refurbishern ein sicherer und auch günstiger Weg ist, mit ausgedienten Business-Rechnern umzugehen, so Ralf Schweitzer, Geschäftsführer des IT-Refurbishers GSD. Die meisten PCs, Notebooks und Monitore, die GSD und andere Refurbisher ankaufen, sicher löschen und wieder aufbereiten, kommen aus diesen Quellen. Bei kleineren Systemhäusern ist das dagegen oft noch nicht der Fall, sagt Michael Bleicher, Geschäftsführer des Schweinfurter Refurbishers BB-Net. „Sie müssen noch erkennen, dass wir hier ihre Partner sind”, so Bleicher weiter. Der zur Also-Gruppe gehörende IT-Refurbisher Webinstore nutzt seit Ende Mai einen neuen Weg, um an interessante ­Gebrauchtrechner zu kommen. Er nutzt den Online-Shop des Distributors Also für den IT-Ankauf und hat so weniger Probleme, auch kleinere Systemhäuser als Quelle zu erreichen, um den Nachschub zu sichern. Der könnte durch eine Rezession im Gefolge der weltweiten Covid-19-Krise ins Stocken kommen, befürchten sowohl Bleicher als auch Schweitzer. Denn Firmen könnten die Anschaffung neuer Geräte verschieben und ältere Rechner weiter nutzen, statt sie an Refurbisher zu verkaufen. Die PC-as-a-Service-Konzepte, die einige Hersteller verfolgen, sehen die Refurbisher daher als Chance. „Wir können hier für die Hersteller die Rückholung, Datenlöschung und Vermarktung übernehmen”, konkretisiert Schweitzer. Zudem kommen durch den regelmäßigen Austausch der Rechner in den Unternehmen genügend relativ junge Gebrauchtgeräte auf den Markt.

Zertifizierte Datenlöschung und sorgsame Aufbereitung

Gesucht sind beim Ankauf von Client-Rechnern vor allem Leasingrückläufer, da diese PCs, Workstations, Notebooks oder Monitore noch relativ neu sind und die Aufbereiter oft eine größere Zahl gleichartiger Geräte erwerben können, was nicht nur die Logistik und die Ersatzteilbeschaffung erleichtert, sondern auch den Verkauf an Firmenkunden. Zudem ist gerade bei älteren Business-Notebooks der Austausch von Komponenten einfacher, als bei Consumer-Geräten. Die ausgemusterte Hardware wird eingehend überprüft, gereinigt und repariert. Das zertifizierte Löschen noch vorhandener Daten gehört ebenfalls zum Prozess. Wenn Behörden oder Firmen aus Compliance-Gründen die dokumentierte Zerstörung der Datenträger verlangen, kann oft auch das erledigt werden. Zusätzlich wird bei Rechnern eine Windows-10-Version aufgespielt, da die Refurbishing-Spezialisten in aller Regel Microsoft Authorised Refurbisher sind. Zu alte oder defekte Rechner enden im Recycling. Exoten oder Consumer-Geräte, die bei den Refurbishern als „Beifang” neben den erwünschten Businessrechnern mit ins Netz gehen, werden oft nach der Datenlöschung ohne Aufarbeitung, neues Betriebssystem und Garantie als B-Ware in neutraler Verpackung verkauft. Eine weitere Gerätekategorie, die für die Wiederaufbereitung interessant ist, sind gebrauchte Firmensmartphones der gehobenen Klasse. Hier übernehmen oft spezialisierte Distributoren wie Komsa die Aufbereitung. Sie verfügen über die nötigen Voraussetzungen für Löschung und Reparatur.

Augemusterte Business-Notebooks werden penibel gereinigt und gegebenenfalls repariert.
Augemusterte Business-Notebooks werden penibel gereinigt und gegebenenfalls repariert.
(Bild: Mihail - stock.adobe.com)

Der Kundenkreis für aufbereitete Client-Rechner oder auch Smartphones sind primär Privatanwender, die über IT-Fachhändler, Retailer und E-Tailer bedient werden. Dazu kommen noch kleinere Firmen und bei Windows-Rechnern in geringem Maßstab auch der Bildungsbereich. Mit alternativen Geschäftsmodellen will man bei BB-Net das B2B-Segment ausbauen. Der Refurbisher bietet nun alle Geräte auf Lager seinen Partnern nicht nur zum Verkauf, sondern auch zur Miete an. Der individuelle Mietpreis richtet sich dabei nach der Mietdauer und auch nach der Partnerstufe. Für die Zukunft kann sich Bleicher auch Refurbishing als Service vorstellen.

Refurbishing für Datacenter-Hardware mit vielfältigen Vertriebsmodellen

Für auf Server, Storage-Systeme und Netzwerkequipment fokussierte Refurbisher sind Mietmodelle dagegen schon lange Zeit Usus. Das trifft sowohl auf kleinere Firmen zu, wie etwa die primär auf Storage-Systeme von NetApp spezialisierte Miller Anlagen, als auch auf die Schwergewichte der Branche, wie etwa HPE, die gebrauchte Systeme ebenfalls über den Channel anbieten. Dabei können Server und Storage-Systeme nicht nur über einen längeren Zeitraum hinweg gemietet werden, sondern auch für wenige Tage oder Wochen. Einsatzszenarien sind hier etwa der Aufbau eines Testsystems für den Einsatz neuer Software, der Aufbau einer temporären parallelen Infrastruktur für eine Datenmigration oder für den Umzug in ein anderes Rechenzentrum. Auch wenn Kapazitätsspitzen nicht durch die Verlagerung in die Cloud abgefangen werden können oder das nicht gewünscht ist, helfen Kurzzeitmieten.

In der Regel verkaufen die Server- und Storage-Refurbisher nicht nur komplette Systeme, sondern auch aufbereitete Massenspeicher und Ersatzteile. Damit haben die Partner die Möglichkeit, bei ihren Kunden auch Geräte in Betrieb zu halten, die beim Hersteller bereits nicht mehr erhältlich sind und für die neue Komponenten entweder gar nicht mehr oder nur zu sehr hohen Preisen verfügbar sind. Zudem suchen auch Kunden nach überholten älteren Systemen, die bestimmte Softwareversionen verwenden, die auf neuen Systemen ohne Probleme nicht mehr lauffähig sind.

Aufbereitung auch durch die Hersteller

Eine besondere Art des Refurbishing betreiben die Hersteller Cisco und HPE. Sie kaufen eigene Hardware und auch solche von Fremdanbietern an. Die eigenen Produkte werden generalüberholt und mit Herstellergarantie in Originalverpackung als aufbereitete Geräte wieder in den Handel gebracht, meist über die Distribution und entsprechend zertifizierte Partner. Das Portfolio reicht von Servern und im Fall von HPE auch Storage-Systemen über Netzwerkprodukte für LAN und WAN bis hin zu WLAN-Equipment.

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Stefan Karner, Geschäftsführer von Scalcom
Stefan Karner, Geschäftsführer von Scalcom
( Bild: Scalcom )

Wiederaufbereitete Hardware ist eine unglaubliche Chance für Unternehmen. Auch wenn ein steigendes Interesse an generalüberholten Netzwerk-, Server- und Storage-Geräten zu verzeichnen ist, wird das Potenzial nicht ausgenutzt. Grund dafür ist vor allem Un­sicherheit: Unterschiedliche Erhaltungszu­stände und riesige Preisunterschiede stiften Verwirrung. Auch bei generalüberholten Produkten existieren Unterschiede. Es gibt von Drittanbietern aufbereitete Ware. Und es gibt vom Hersteller generalüberholte Produkte, sogenannte OEMREF-Artikel. Diese erhalten die originale Hersteller-Garantie und werden vom Hersteller selbst wie Neuware behandelt.

Bei HPE werden die dafür geeigneten Geräte bis auf die Komponentenebene demontiert und die einzelnen Bestandteile teilweise als Basis für vorkonfigurierte Gebrauchtgeräte verwendet, die auf Anforderungen der Kunden gebaut werden. Diese erhalten dann auch eine neue Seriennummer. Der Hersteller betreibt für das Refurbishing zwei große Werke in den USA und in Großbritannien. Die dort aufbereiteten Geräte anderer Hersteller, darunter auch Client-Rechner, werden als „normale” wiederaufbereitete Geräte über Partner oder Broker in den Handel gebracht. Bei denen bedienen sich teilweise Refurbisher, wenn sie selbst nicht genügend passende Rechner aufkaufen. So schließt sich der Kreis.

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