Nach dem Hoch ein Tief

Nach dem Hoch ein Tief
Die Corona-Krise geht auch an der ITK-Branche alles andere als spurlos vorbei. Aktuell sorgt sie vor allem für Lieferengpässe und steigende Preise bei Home-Office-Produkten, doch Experten ­erwarten einen baldigen Einbruch der Nachfrage. Doch es gibt auch Chancen und vor allem viel Hilfsbereitschaft.

Normalerweise pendelt der Händlereinkaufspreis der Webcam »C920« von Logitech verlässlich zwischen 40 und maximal 60 Euro. Seit vielen Jahren gibt es hier allenfalls kleine Ausschläge in die eine oder andere Richtung. Normal ist an der jetzigen Situation aber kaum mehr etwas. Innerhalb weniger Wochen ist der HEK der Webcam rasant gestiegen und hat sich von kürzlich 43 auf mittlerweile über 120 Euro knapp verdreifacht, wie sich an den Daten der Händlerplattform IT-Scope ablesen lässt, die Informationen von hunderten in Deutschland aktiven ITK-Distributoren erhält. Ein Beispiel wie aus dem volkswirtschaftlichen Lehrbuch, sagt Benjamin Mund, Geschäftsführer von IT-Scope, im Gespräch mit CRN. »Angebot und Nachfrage.« Dem Preissprung sind seit Januar mehrmals Peaks der Abverkäufe vorausgegangen, die Lagerbestände haben sich entsprechend zügig geleert, die C920 ist aktuell nur noch bei einigen wenigen Grossisten verfügbar.

»Reicht nicht, um Bedarf zu decken«

»Ich habe so eine Situation noch nie erlebt«, berichtet auch Marco Kuhn, Vertriebsleiter des IT-Aufbereiters bb-net, gegenüber CRN (hier gelangen Sie zum gesamten Beitrag). Zwar konnten die Schweinfurter den eigenen Ausstoß an Notebooks kurzfristig deutlich steigern, das reiche aber »bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken«. Eine Ausnahmesituation, nicht nur für die Unterfranken, sondern für den gesamten ITK-Channel. Die Nachfrage nach fast allen Produktgruppen, die mit dezentraler Arbeit und mit Home-Office zusammenhängen, ist in den letzten Wochen aufgrund der Corona-Krise geradezu explodiert.

»Stay at home«, so der Leitsatz dieser Tage. Die Bundesregierung hat an alle Unternehmen appelliert, wo möglich Heimarbeit umzusetzen, um das Ansteckungsrisiko des Virus unter Mitarbeitern zu minimieren. Angela Merkel geht selbst mit gutem Beispiel voran und regiert aktuell aus den eigenen vier Wänden. Während die Bundeskanzlerin aber sicherlich bereits auf die entsprechenden Werkzeuge zurückgreifen konnte, hieß es für viele Unternehmen, in kürzester Zeit die nötige Infrastruktur aufzubauen, um alle Geschäftsprozesse auch dezentral abbilden zu können. Collaboration-Lösungen sind daher gefragter denn je, Microsoft hat innerhalb einer Woche zwölf Millionen neue Teams-Nutzer gemeldet, Zoom spricht von zwölfmal mehr Downloads und auch Anbieter wie Slack, Cisco und Google sehen sich einem ähnlichen Ansturm gegenüber. Zuletzt musste Microsoft gar den Funktionsumfang zahlreicher seiner Office-365-Dienste einschränken, um das hohe Datenaufkommen überhaupt noch bewältigen zu können – diesem Schritt gingen über einige Tage massive Störungen von Teams voraus.

Nachfrage wird bald abflauen

Die nötigen Collaboration- und Kommunikations-Werkzeuge sind die eine Seite, die entsprechende Hardware die andere. Neben Webcams sowie Headsets ist der Markt vor allem bei Notebooks im unteren und mittleren Preissegment nahezu leergefegt, die Lagerbestände vieler Modelle laut IT-Scope fast auf null. »Es gibt aktuell kaum noch Ware am Markt, was Home-Office-Equipment betrifft«, berichtet Bernadette Jürs, Head of Sales bei Axro, Hamburger Distributor vor allem für Verbrauchsmaterialien. So war beispielsweise das »Lenovo ThinkBook« Ende Februar laut IT-Scope bei keinem einzigen von 370 Distributoren mehr verfügbar. Dabei hätten diese im ersten Quartal laut Benjamin Mund in vielen Fällen noch ihre Bestände aufgestockt – jedoch nicht immer mit den richtigen Produkten. So wurden vor allem Komponenten wie CPUs und Speicher beschafft, deren Produktion in China teils ins Stocken geriet. Die dann jedoch plötzlich eintretende Nachfrage nach Home-Office-Lösungen sowie die daraus resultierenden Lieferengpässe hätten wohl nur die wenigsten Branchenkenner vorhersagen können.

PRESSE VERÖFFENTLICHUNGEN


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Funkschau, 07.04.2020, Nach dem Hoch ein Tief (PDF)Öffnen 
CRN, 03.04.2020, Nach dem Hoch ein Tief (LINK)Öffnen 
CRN, 03.04.2020, Nach dem Hoch ein Tief (PDF)Öffnen 
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